Erste Liebe

Da ich ja doch nicht schlafen kann – und es sich auch nicht mehr wirklich lohnt, da ich um 5 Uhr wieder aufstehen muß – noch eine Gute-Nacht-Geschichte.

Ich war Neun. Das war das Jahr, als sich meine Eltern scheiden ließen.
Ich war nicht wirklich überrascht darüber. Es hatte zwar nie Streit gegeben – aber Kinder merken sowas wohl schon viel früher als die Erwachsenen selber.

In dem Sommer war ich auf einer Freizeit am Edersee mit der Stadt. Das war mein erster „Urlaub“ ohne Eltern. Heimweh hatte ich nicht, und auch die anderen Kinder waren recht nett.
Ich kam mir da jedenfalls nicht ganz so als Aussenseiter vor wie daheim.

Und in dieser Jugendherberge war noch ein Junge, Micha. Er war mit seinem Vater dort.
Wir freundeten uns an. Ich fand ihn toll. Er konnte hinfallen, ohne sich weh zu tun, das hat mich schwer beeindruckt.

Dann war die Freizeit zu Ende und ich musste wieder Heim fahren.
Seine Heimatstadt war zwar nicht sooo weit weg, aber für eine 9-Jährige sind auch 20/30 km eine Weltreise. ICh dachte also nicht, das ich ihn wieder sehe.

Damals war ich im Kinderchor meiner Kirche. Und die war etwas von meinem Zuhause entfernt. Ich mußte da immer ein ganzes Stück laufen, bis in die Stadt. Am Main entlang, durch die Festung und den Stadtpark. Jeden Freitag.

An einem Freitag im Herbst ging ich wieder in diesen Weg. Im Stadtpark bemerkte ich zwei Jungs hinter mir. Und der eine kam mir schrecklich bekannt vor.
Ich ging langsamer, ließ die Jungs mich überholen.
Tatsächlich – ER war es. Ich rief ihn und der erkannte mich wieder.

Danach habe ich viel Zeit in der Festung verbracht. Er zeigte mir ein paar geheime Wege hinauf. Die habe ich auch später noch genutzt, um Flieder zu pflücken.

Es war eine schöne Zeit.

Bis zu diesem einen Freitag. Ich wartete auf ihn an der Festung.
Er kam aus der Stadt, hatte eine Single gekauft. „Knowing me, Knowing you“ von Abba.
Erstaunlich, das ich DAS noch weiß.
Er war anders als sonst. Und dann schickte der Feigling seinen Cousin vor.
Ich weiß nicht mehr genau, was er sagte. Aber es ging darum, das ich ihn wohl lästig war, was will ein „erwachsener“ 12-Jähriger schon mit einer 10-Jährigen. 😉
Es war das Ende dieser Freundschaft, er wollte sich nicht mehr mit mir treffen.

Was ich allerdings noch danz genau weiß war dieser eine blöde Satz, den ich seitdem hasse wie die Pest: „Wir können ja noch Freunde sein“.

Nein, das waren wir nicht. ICh habe ihn seit diesem Tag nie wieder gesehen.

Und erst nach dieser „Trennung“ wurde mir schmerzlich bewußt, wie viel er mir bedeutet hat. Und das es weh tat, diese erste Liebe zu verlieren. Von der ich erst im nachhinein wußte, das sie es war.

Das ist jetzt gut 30 Jahre her. Seinen Namen wußte ich immer noch. Es gibt wohl Dinge, die vergisst man NIE.
Bei „wer-kennt-wen“ habe ich dann mal diesen Namen eingegeben.
Und die Suche brachte einige Ergebnisse.
Bei einem stimmten die früheren Wohnorte – der eine war zumindest dabei. Und auch die Haarfarbe stimmte.
Ich habe ein paar Tage überlegt, dann habe ich ihn angeschrieben. Er war es tatsächlich.

Er sieht immer noch recht gut aus.
Es war nicht so ein Schock wie bei dem Wiedersehen mit meinem Schwarm, den ich mit 14 oder so hatte. Den hatte ich wieder getroffen und ich habe ihn kaum erkannt. Er hatte mittlerweile mit dem Sport aufgehört und war aufgegangen wie ein Hefekloß.

Das war das erste Mal das ich dachte: „Wie gut, das daraus nie was geworden ist“

klick / klick / klick

2 Comments

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *